Historie einer der ältesten Sakralbauten Niedersachsens

In Kirchhorst, dem ältesten Ortsteil der an der Nordgrenze Hannovers liegenden 24.000-Einwohner-Gemeinde Isernhagen, wird seit dem Hochmittelalter am selben Platz Gottesdienst gefeiert. Die in der Nähe des Stellers Weg aufragende St. Nikolai Kirche ist der Nachfolgebau einer mutmaßlich im frühen 12. Jahrhundert hier aus Findlingen errichteten romanischen Kapelle. Damals gehörte der Moor-Weiler Horst zur St.-Pankratius-Pfarrei in Burgdorf. In der dortigen Kirche fanden auch üblicherweise die Gottesdienste für die Gläubigen der Umgebung statt. Die etwa 70 qm große Kapelle in Horst wurde nur bei gelegentlichen Anlässen von den Anwohnern genutzt. Aus dieser Zeit ist ein mutmaßlich um 1150 geschnitztes Eichenkreuz erhalten geblieben.

1329 wurde Horst auf Initiative der in Horst ansässigen Adelsfamilie von Cramm eigenständig. Die Horster beschlossen, die kleine Kapelle zu einer Kirche umzubauen. Sie gaben ihrem Ort inn Folge den neuen Namen „Kirchhorst“. Erster Patron der neugegründeten, dem Heiligen St. Nikolaus geweihten Kirchengemeinde wurde Aschwin von Cramm. An ihn und seine lange in Kirchhorst wirtschaftlich und herrschaftsrechtlich als Lehnsherren tonangebenden Nachfahren erinnert ein Epitahp (1579) im Kirchenraum.

Das zum großen Teil rotbacksteinerne Kirchenschiff wurde an seiner Westseite durch einen ganz in Holz gebauten Turm ergänzt. Die Errichtung des etwa 25 m hohen, schiefergedeckten Glockenturms von St. Nikolai wurde lange zeitlich für das 16. Jahrhundert vermutet. Im Jahr 2014 vorgenommene Holzuntersuchungen ließen Experten zu dem Schluss kommen, dass der Turm bereits um 1375 erbaut worden sein muss. Damit wäre er einer der ältesten Holzkirchtürme europaweit.


Bemerkenswertes in und um St. Nikolai

Zu den besonderen Augenfälligkeiten in St. Nikolai zählen neben dem Barockaltar (1678) die in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstandenen Decken- und Wandmalereien. Die im Stil der Gotik gehaltenen Gemälde zeigen unter anderem Marien-Motive und Heiligengestalten. Als Folge des Einflusses orthodox-lutherischer Eiferer wurden die als Überbleibsel katholischer Irrlehre eingestuften Gemälde Anfang der 1660er Jahre mit Kalkfarbe übertüncht. 1898 wurde der Plan angegangen, die Kirche so weit wie möglich wieder in ihren alten Zustand zu versetzen. Dabei wurden auch die Kalkschichten an Decke und Wänden wieder entfernt. Erstaunlicherweise hatten die darunter liegenden Bildwerke 240 Jahre Übertünchung nahezu unbeschadet überstanden.

Wesentlich jüngeren Datums ist das drei Meter hohe Fenster im Chor. Das farbige, die Pfingstgeschichte zeigende, dreigeteilte Glasfenster wurde 1950 als Ersatz für bei Fliegerangriffen im Zweiten Weltkrieg zerstörte Chorfenster gestiftet.
Für das Alltagsleben vergangener Generationen einst hochwichtig, hat die Kirchhorster Elle überdauert. Dabei handelt es sich um ein an der Tür der St. Nikolai Kirche angebrachtes Tuchmaß (58,4 cm = 1 Hannoversche Elle). Diese Art von früher an vielen Kirchen- oder Rathaustüren angebrachten Messlatten dienten bis in das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts als Mustermaße für den Handel.

Von 1939 bis 1948 hatte der umstrittene Erfolgsautor Ernst Jünger (1895 -1998) („Kirchhorster Blätter“) in unmittelbarer Nähe der Kirche seinen Wohnsitz im alten Pfarrhaus. Auf dem sich neben der Kirche erstreckenden Friedhof erinnert die von Jünger in einen Laubbaum eingeritzten Kürzel „E.J.“ und „XXXIX“.